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  2. 100 Jahre Lukas Vischer (1926-2008)

Lukas Vischer gehört zu den bedeutendsten Schweizer Theologen und Ökumenikern des 20. Jahrhunderts. Als langjähriger Mitarbeiter des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Wegbereiter der ökumenischen Verständigung, Mitgestalter kirchlicher Schöpfungsverantwortung sowie engagierter Verfechter von Menschenrechten und Gerechtigkeit prägte er das kirchliche Leben weit über die Schweiz hinaus.

Anlässlich seines 100. Geburtstags erscheint 2026 erstmals seine Autobiografie in Buchform. Die Publikation bietet einen persönlichen Einblick in ein Leben, das der Einheit der Kirchen, dem Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit sowie der Verantwortung für Gottes Schöpfung gewidmet war.

Leben und Wirken – Überblick

1926

1926–1946

1946–1953

1950

1953–1961

1953

1955

1961–1979

1980–1992

1982–1989

1992

2008

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Geburt am 23. November in Basel

Kindheit, Jugend und Schulen in Basel

Theologiestudium in Basel, Strassburg und Göttingen. Promotion bei Oscar Cullmann

Ordination in der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt

Gemeindepfarramt in Herblingen/Schaffhausen

Verheiratung mit Dr. Barbara Schmidt

Habilitation

Im Dienst des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Genf

Evangelische Arbeitsstelle Ökumene Schweiz und Professur in Bern 

Reformierter Weltbund (Vorsitzender der Theologischen Abteilung)

Pensionierung und Rückkehr nach Genf

Tod am 11. März 2008 in Genf. Bestattung auf dem Friedhof von Soglio/Graubünden.

Von unerwarteten Aufbrüchen

Ein Leben für Kirchen, Ökumene und Schöpfungsverantwortung

Zum 100. Geburtstag von Lukas Vischer erscheinen seine Memoiren erstmals als Buch. Darin blickt Lukas Vischer auf seine Kindheit in Basel, seine Studienjahre, seine Tätigkeit beim Ökumenischen Rat der Kirchen, seine ökumenischen Begegnungen rund um den Globus sowie auf sein Engagement für Menschenrechte, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung zurück. Die Erinnerungen vermitteln zugleich ein lebendiges Bild der ökumenischen Bewegung des 20. Jahrhunderts.

Herausgegeben von

  • Karin Bredull Gerschwiler
  • Martin Hirzel

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Von unerwarteten Aufbrüchen – TVZ Verlag

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Veranstaltungen zum 100. Geburtstag

Gedenksymposium in Genf

Faire face aux injustices. Racisme, interculturalité et les Églises en Suisse

23. November 2026, 10.00-17.15 Uhr, Centre International John Knox, Genf

Anlässlich des 100. Geburtstags von Lukas Vischer widmet sich das Centre International John Knox gemeinsam mit der EKS aktuellen Fragen von Ungerechtigkeit, Rassismus und Interkulturalität in Kirche und Gesellschaft. Die Veranstaltung greift Themen auf, die auch Lukas Vischer beschäftigten: die Verantwortung der Kirchen in gesellschaftlichen Herausforderungen, die ökumenische Zusammenarbeit sowie das gemeinsame christliche Zeugnis in einer vielfältigen Welt. Im Rahmen des Symposiums werden zudem die Memoiren Von unerwarteten Aufbrüchen. Ein Leben für Kirchen, Ökumene und Schöpfungsverantwortung vorgestellt.

Flyer

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Buchvernissage in Bern

Von unerwarteten Aufbrüchen. Ein Leben für Kirchen, Ökumene und Schöpfungsverantwortun

10. Dezember 2026, 18.15 Uhr, Polit-Forum Bern

Im Zentrum der Vernissage stehen Leben und Wirken eines der prägenden reformierten Ökumeniker der Schweiz. Neben der Buchvorstellung findet ein Podiumsgespräch zur gesellschaftlichen Verantwortung der Kirchen statt.

Flyer

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Lebenswerk und Vermächtnis

«Mir wurde zum ersten Mal wirklich klar, dass christlicher Glaube nicht allein eine Angelegenheit der einzelnen Person, sondern immer auch Teil eines gemeinsamen Zeugnisses sei.»

«Die ökumenische Bewegung dient nicht nur dazu, die Trennungen der Vergangenheit zu überwinden, sondern neue Ausdrucksformen der universalen Gemeinschaft in Christus zu finden.»

Ökumene

Das zentrale Anliegen von Lukas Vischer war die sichtbare Einheit der Kirchen. Von 1961 bis 1979 arbeitete er beim Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf, zuletzt als Direktor der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung (Faith and Order). In dieser Funktion begleitete er zahlreiche ökumenische Dialoge und pflegte intensive Beziehungen zu reformierten, orthodoxen, anglikanischen und katholischen Kirchen.

Als Beobachter des ÖRK verfolgte er das Zweite Vatikanische Konzil und wirkte über viele Jahre in der Gemeinsamen Arbeitsgruppe zwischen dem ÖRK und der römisch-katholischen Kirche mit.

Zu den Meilensteinen seines ökumenischen Wirkens gehören seine Beiträge zur Leuenberger Konkordie von 1973 sowie seine Mitwirkung an den Prozessen, die zum Lima-Dokument «Taufe, Eucharistie und Amt» führten.

Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK)

Als Mitarbeiter und später Direktor der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung prägte Lukas Vischer während beinahe zwei Jahrzehnten die internationale ökumenische Bewegung wesentlich mit.

→ https://www.oikoumene.org

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE)

Die heutige GEKE geht auf die Leuenberger Konkordie zurück, deren Entstehung Lukas Vischer massgeblich mitbegleitete. Sie verbindet heute protestantische Kirchen in ganz Europa in Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft.

→ https://www.leuenberg.eu

Témoigner Ensemble à Genève (TEAG)

2007 initiierte Lukas Vischer die Bewegung «Témoigner Ensemble à Genève», welche reformierte Gemeinden und Migrationskirchen in Genf miteinander verbindet und das gemeinsame christliche Zeugnis fördert.

→ TEAG

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Schöpfungsverantwortung

Bereits zu einem Zeitpunkt, als Umweltfragen in den Kirchen noch wenig Beachtung fanden, setzte sich Lukas Vischer dafür ein, die Verantwortung für die Schöpfung als zentrale christliche Aufgabe zu verstehen. Er gehörte zu den Mitbegründern von oeku Kirchen für die Umwelt und engagierte sich massgeblich im konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Sein theologisches Denken trug dazu bei, dass Fragen der ökologischen Verantwortung und der Klimagerechtigkeit dauerhaft auf die Agenda zahlreicher Kirchen und der ökumenischen Bewegung weltweit gelangten.

oeku Kirchen für die Umwelt

Lukas Vischer gehörte zu den Mitbegründern von oeku Kirchen für die Umwelt. Die Organisation unterstützt Kirchgemeinden und Landeskirchen in Fragen der ökologischen Verantwortung und der Bewahrung der Schöpfung.

→ oeku Kirchen für die Umwelt

European Christian Environmental Network (ECEN)

Das European Christian Environmental Network vernetzt Kirchen und christliche Umweltorganisationen in ganz Europa. Es steht in der Tradition jener ökumenischen Umweltbewegung, die Lukas Vischer über Jahrzehnte entscheidend mitprägte.

→ ECEN

Konziliarer Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Nach der ÖRK-Vollversammlung in Vancouver 1983 setzte sich Lukas Vischer dafür ein, die Bewahrung der Schöpfung zu einem zentralen ökumenischen Anliegen zu machen. Daraus entstand der konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, der Kirchen weltweit prägte.

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Menschenrechte und gesellschaftliche Verantwortung

Lukas Vischer verstand christlichen Glauben stets als Auftrag zum Handeln. Er setzte sich für Menschenrechte, Religionsfreiheit und die Würde jedes Menschen ein. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara Schmidt gründete er 1981 die Schweizer Sektion von ACAT (Aktion der Christinnen und Christen für die Abschaffung der Folter).

Ebenso gehörte er zu den Mitbegründern der Erklärung von Bern, aus der die heutige Organisation Public Eye hervorgegangen ist. Sein Einsatz galt insbesondere benachteiligten Menschen und den weltweiten Zusammenhängen von Armut, Gewalt und Ungerechtigkeit.

ACAT Schweiz

Gemeinsam mit Barbara Schmidt gründete Lukas Vischer die Schweizer Sektion von ACAT. Die Organisation setzt sich weltweit für Menschenrechte und gegen Folter ein.

→ ACAT Schweiz

Public Eye

Lukas Vischer gehörte zu den Mitbegründern der Erklärung von Bern. Aus dieser Initiative entstand die heutige Organisation Public Eye, die sich für globale Gerechtigkeit und die Verantwortung multinationaler Unternehmen einsetzt.

→ Public Eye

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Interreligiöser Dialog und globale Perspektive

Neben seinem ökumenischen Engagement förderte Lukas Vischer früh den Dialog mit anderen Religionen. 1968 organisierte er für den Ökumenischen Rat der Kirchen einen der ersten offiziellen christlich-muslimischen Dialoge. Seine zahlreichen Begegnungen auf allen Kontinenten prägten sein Verständnis der Kirche als weltweite Gemeinschaft.

Sein theologisches Denken war von der Überzeugung geprägt, dass christliches Zeugnis immer auch das Gespräch mit anderen Traditionen, Kulturen und gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren einschliesst.

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Faith and Order Kommission in Accra-Legon 1974. Lukas Vischer stellt Bregaglia Bam und Christian Baëta, Ghana dem Oberst Ignatius Kutu Acheampong vor.

Lukas Vischer und die
Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz

«Das Wesentliche in allem war aber die Begegnung mit Menschen, bekannten und weniger bekannten, beachteten und weniger beachteten. Ich denke mit Dankbarkeit an die vielen zurück, die das ‹Salz› meiner Arbeit ausmachten. Die Geschichtsschreibung greift gerne zu Passivformen: ‹es kam dazu›, ‹es wurde beschlossen›. In Wirklichkeit sind solche Formulierungen Abkürzungen. Die treibende Kraft in allem Geschehen sind Personen von Fleisch und Blut.»

Nach seiner Tätigkeit beim Ökumenischen Rat der Kirchen kehrte Lukas Vischer in die Schweiz zurück und übernahm die Leitung des Evangelischen Büros für Ökumene beim damaligen Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK). Von Bern aus engagierte er sich für die Beziehungen zu anderen Kirchen in der Schweiz, in Europa und weltweit. Dabei setzte er sich für die ökumenische Zusammenarbeit ebenso ein wie für die Klärung reformierter Identität und die gemeinsame Verantwortung der Kirchen gegenüber den Herausforderungen ihrer Zeit.

Unter seiner Mitwirkung wurden die Beziehungen zu orthodoxen Kirchen, zu Kirchen in Asien sowie zu zahlreichen ökumenischen Partnerorganisationen ausgebaut. Viele Themen, welche die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) bis heute prägen, gehören zu seinem Vermächtnis: die internationale ökumenische Vernetzung, die Zusammenarbeit mit anderen christlichen Kirchen, die Förderung des interreligiösen Dialogs, das Engagement für Menschenrechte sowie die Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung.

Lukas Vischer verstand die Kirche stets als Teil einer weltweiten Gemeinschaft. Sein Wirken hat dazu beigetragen, dass die heutige EKS ihre Verantwortung nicht nur innerhalb der Schweiz, sondern auch im europäischen und globalen Kontext wahrnimmt.

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«Jeder Standort lässt von vornherein nur einen begrenzten Ausblick zu. Es gibt in Wirklichkeit keinen ‹Turm›, der die Sicht ‹auf alle Reiche der Welt› freigäbe. Das gilt auch für den Glauben an Christus und die Verwurzelung in der Kirche. Sie öffnen gewiss manche Fenster.»

Forschung, Quellen und Vertiefung

Lukas-Vischer-Plattform der Universität Bern

Die Universität Bern erschliesst das theologische, ökumenische und gesellschaftliche Wirken Lukas Vischers in einer digitalen Forschungsplattform. Sie bietet biografische Informationen, Publikationen, Dokumente und Forschungsressourcen.

→ Lukas-Vischer-Plattform

Lehrveranstaltung der Universität Bern

Im Herbstsemester 2026 widmet sich eine universitäre Lehrveranstaltung Leben, Werk und Wirkung von Lukas Vischer und führt Studierende in zentrale Themen seines Denkens ein.

→ Lehrveranstaltung Universität Bern

Wikipedia

Ein erster Überblick zu Leben und Wirken von Lukas Vischer findet sich auch im Wikipedia-Artikel.

→ Wikipedia: Lukas Vischer

Von unerwarteten Aufbrüchen

Die erstmals veröffentlichten Memoiren vermitteln einen persönlichen Einblick in das Leben und Wirken Lukas Vischers sowie in die Geschichte der ökumenischen Bewegung des 20. Jahrhunderts.

→ TVZ Verlag

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Lukas Vischer – Kurzbiographie – Die Memoiren –  Veranstaltungen – Lebenswerk und Vermächtnis – Lukas Vischer und die EKS – Forschung und Vertiefung