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Ausschreibung: Wissenschaftliche Studie «Sexueller und spiritueller Missbrauch»

16.03.2026

Wissenschaftliche Studie: «Sexueller und spiritueller Missbrauch in der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz»

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) beabsichtigt, eine wissenschaftliche Studie zu sexuellem Missbrauch im kirchlichen Raum durchzuführen. Die Arbeitsgruppe «Schutz persönliche Integrität» hat dem Rat der EKS im Februar 2025 die Durchführung dieser Studie empfohlen. An der Herbstsynode 2025 beschloss die Synode der EKS einstimmig, eine wissenschaftliche Studie zum Thema «Sexueller und spiritueller Missbrauch in der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz» in Auftrag zu geben. 

Hier finden Sie das Synodedokument zum Projekt- und Kostenrahmen (Traktandum 8)

Ziel der Studie ist es u.a., die Perspektiven, Erfahrungen und das Wissen betroffener Personen der EKS und ihrer Mitgliedkirchen aktiv in die Präventions- und Aufarbeitungsprozesse der EKS einzubeziehen. Sie soll spezifische Gefährdungskonstellationen im kirchlichen Raum sichtbar machen und zu einem vertieften Verständnis von sexuellem und spirituellem Missbrauch im Kontext der evangelisch-reformierten Kirchen beitragen.  

Ziele der Studie 

  • Erhebung von Erfahrungsberichten und Perspektiven Betroffener sowie von Personen aus dem Umfeld (z. B. Angehörige, kirchliche Mitarbeitende) und Personen, die mit Betroffenen oder deren Angehörigen institutionell betraut sind.
  • Analyse struktureller und institutioneller Faktoren, die Missbrauch begünstigen oder verhindern (z. B. Machtasymmetrien, kirchliche Hierarchien, Fachkompetenz, Ressourcen) sowie daraus ableitbare individuelle und kontextuelle Faktoren im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen.
  • Verständnis für Rolle und Bedeutung spirituellen Missbrauchs in der Anbahnung, Durchführung und Vertuschung sexuellen Missbrauchs.
  • Identifikation blinder Flecken in Aufarbeitungsprozessen (Prävention, Intervention, Anerkennung).
  • Formulierung konkreter Empfehlungen für Prävention, Intervention und Anerkennung.

Methodisches Vorgehen  

Die Studie soll im Rahmen eines partizipativen Forschungsdesigns durchgeführt werden. Erwünscht sind insbesondere:

  • Die Einbindung von Betroffenen aus den evangelisch-reformierten Kirchen in die Konzeption und Durchführung der Studie (z. B. über Interviews, Fokusgruppen, partizipative Gremien).
  • Die Beteiligung der Betroffenen erfolgt freiwillig und unter Wahrung von Anonymität, Vertraulichkeit und Datenschutz.
  • Eine qualitative Hauptausrichtung mit ergänzenden quantitativen Elementen.
  • Wissenschaftliche Reflexion der Methode und ethische Begleitung des Prozesses.
  • Die inhaltliche Orientierung an den Forschungsfragen der Bundesstudie zu sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in (Landes-)Kirchen, Religionsgemeinschaften, Schulen, sozialpädagogischen Einrichtungen, Freizeitorganisationen und in der Familie.

Organisation und Zusammenarbeit 

Die Studie wird durch eine interdisziplinäre Begleitgruppe begleitet, bestehend aus Vertreter:innen der Betroffenenorganisationen, Fachpersonen aus Theologie, Soziologie, Recht und Psychologie sowie Repräsentant:innen der EKS. Die Zusammenarbeit mit den Betroffenenorganisationen IG M!kU, Groupe SAPEC und GAVA ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. Die Gruppen sind entscheidend für die gezielte Kommunikation in die betroffenen Kreise und tragen zur Betroffenenpartizipation bei.  

Zielgruppe der Ausschreibung 

Angesprochen sind sozialwissenschaftliche, psychologische, theologische oder interdisziplinäre Forschungsinstitute und Fachhochschulen mit Erfahrung in:  

  • Partizipativer Forschung (insb. mit vulnerablen Gruppen sowie Erfahrung im Umgang mit sensiblen oder potenziell traumatisierenden Forschungskontexten).
  • Aufarbeitung institutioneller Gewalt, sexuellen Missbrauchs oder spirituellen Missbrauchs. 
  • Kirchlicher oder religiöser Kontextforschung.  

Leistungsumfang 

Das beauftragte Institut übernimmt:  

  • Konzeption und Umsetzung der Studie unter Berücksichtigung der sprachregionalen und kulturellen Unterschiede. 
  • Ethische Einbettung der Studie (Umgang mit und Prävention von Retraumatisierungsgefahr, sensibilisierte Befragungspersonen, Datenschutz und Datensicherheit, informierte Einwilligung der Teilnehmenden sowie Wahrung von Vertraulichkeit und Anonymität).  
  • Zusammenarbeit mit dem Auftraggebenden, der Begleitgruppe und den Betroffenenorganisationen.   
  • Erstellung eines Zwischenberichts über Stand, Vorgehen und erste Erkenntnisse der Studie. 
  • Erstellung eines umfassenden Abschlussberichts inkl. Handlungs- und Präventionsempfehlungen.  
  • Öffentliche Präsentation der Ergebnisse (Pressekonferenz o. ä.).  

Zeitrahmen 

Studienbeginn: Herbstsemester 2026
Geplanter Abschluss: Ende 2027  

Finanzierung 

Die Finanzierung erfolgt über die EKS und ihre Mitgliedkirchen.

Bewerbungsunterlagen 

Interessierte Institutionen werden gebeten, folgende Unterlagen einzureichen:  

  • Projektvorschlag mit methodischem Vorgehen, Zeit- und Budgetplan.  
  • Darstellung einschlägiger Forschungserfahrung.  
  • Benennung eines interdisziplinären Teams mit spezifischer Expertise.  
  • Vorschlag zur Partizipation betroffener Personen. 
  • Ethische Einbettung der Studie (inkl. Umgang mit sensiblen Daten, Schutz der Teilnehmenden und Vermeidung von Retraumatisierung) 

Kontakt 

Die Offerten sind bis spätestens 15.05.2026 an die untenstehende Adresse einzureichen.
In elektronischer Form an:
Cynthia Guignard
Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz
Themenbeauftragte Schutz Persönliche Integrität
Cynthia.Guignard@evref.ch