Das Sterben leben

14. August 2007

Entscheidungen am Lebensende aus evangelischer Perspektive

Mit der Position «Das Sterben leben» legt der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK eine evangelische Orientierung zu Entscheidungen am Lebensende vor. Die Publikation nimmt Fragen auf, die viele Menschen, Angehörige, medizinische Fachpersonen, Seelsorgende und die Gesellschaft als Ganze betreffen: Wann soll ein Mensch gehen dürfen? Wie sind Sterbebegleitung, Sterbehilfe und Suizidbeihilfe zu unterscheiden? Und welche Verantwortung ergibt sich aus Lebensschutz, Fürsorge, Selbstbestimmung und Gewissensfreiheit?

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass der Tod in der modernen Medizin nicht mehr nur als Schicksal erfahren wird, sondern häufig mit Entscheidungen verbunden ist. Mehr als die Hälfte der Todesfälle in der Schweiz steht nach dem Dokument im Zusammenhang mit dem Abbruch einer medizinischen Behandlung. Dadurch werden Fragen am Lebensende zu komplexen ethischen Entscheidungssituationen, in denen medizinische Möglichkeiten, rechtliche Rahmenbedingungen, persönliche Gewissensentscheide und seelsorgliche Begleitung zusammenkommen.

Die Position unterscheidet sorgfältig zwischen Sterbebegleitung, Sterbehilfe und Suizidbeihilfe. Sterbebegleitung beziehungsweise Palliative Care wird als ganzheitliche Begleitung sterbender Menschen verstanden. Sterbehilfe wird in passive, indirekte und aktive Formen unterschieden. Suizidbeihilfe bezeichnet unterstützende Handlungen für Menschen, die ihren Sterbewunsch selbst umsetzen wollen. Diese Differenzierungen helfen, öffentliche Debatten sachlich zu führen und konkrete Situationen verantwortungsvoll zu beurteilen.

Das Dokument behandelt unter anderem folgende Themen:

  • Palliative Care und Begleitung sterbender Menschen
  • rechtliche und standesethische Regelungen zu Sterbehilfe und Suizidbeihilfe
  • Selbstbestimmung, Lebensschutz und Fürsorge
  • Gewissensfreiheit von Ärztinnen, Ärzten und weiteren Beteiligten
  • theologisch-ethische Überlegungen zu Leben als Gabe, Würde, Leiden und Freiheit
  • offene Fragen zum Recht, zu medizinischen Entscheidungen am Lebensende und zu gesellschaftlichen Folgen organisierter Suizidbeihilfe

Aus evangelischer Perspektive betont die Position, dass menschliches Leben auch im Sterben von Gott gewolltes Leben bleibt. Christliche Seelsorge soll Menschen in der letzten Lebensphase begleiten, ohne ihre Entscheidungen vorschnell zu verurteilen, zu kritisieren oder zu legitimieren. Zugleich hält das Dokument fest, dass Entscheidungen am Lebensende nicht allein medizinisch beantwortet werden können. Sie verlangen eine umfassende Wahrnehmung der Situation sterbender Menschen, ihrer Angehörigen und der beteiligten Fachpersonen.

In den zusammenfassenden Thesen fordert die Position unter anderem Würde für Sterbende, Respekt vor persönlichen Gewissensentscheidungen, Schutz und Unterstützung für Ärztinnen und Ärzte, Rechtsschutz für alle Beteiligten, verbindliche Patientenverfügungen, Zugang zu Palliative Care sowie sorgfältige Regelungen für organisierte Suizidbeihilfe. Sterbehilfe und Suizidbeihilfe dürfen nach der Position nicht zu einer gesellschaftlich erwarteten Lösung ohne Alternative werden.

Die Publikation bietet eine theologisch-ethische Orientierung für die kirchliche Praxis, die Seelsorge, die medizinethische Diskussion und die öffentliche Debatte über Entscheidungen am Lebensende. Sie lädt dazu ein, Sterben nicht zu verdrängen, sondern als Teil des Lebens wahrzunehmen und verantwortungsvoll zu begleiten.

Das vollständige Dokument als PDF lesen: Mathwig – Das Sterben leben. Entscheidungen am Lebensende aus evangelischer Sicht. SEK Position 9.pdf

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