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Der Weltgebetstag Schweiz wird 90

24.Feb. 2026

Wie organisiert man einen Gebetstag, der weltweit von Frauen in über 170 Ländern, Regionen und Inseln gefeiert wird? Und was begeistert Schweizerinnen seit 1936 immer am ersten Freitag im März zusammen zu beten? Im ihrem Blogbeitrag erzählen Vroni Peterhans, Präsidentin von Weltgebetstag Schweiz, und Sara Hanselmann, Vize-Präsidentin, warum sie mit Herz und Seele beim Weltgebetstag dabei sind und sich über das Jubiläum 2026 richtig freuen. Denn auch nach 90 Jahren ist der Tag alles andere als ein alter Hut.

Vroni Peterhans: gegen Ungerechtigkeiten und für den Frieden

Ich bin begeistert: schon seit 1936 wird in der Schweiz Weltgebetstag gefeiert. Das heisst, immer am ersten Freitag im März wird rund um die Welt dieselbe Liturgie gefeiert mit denselben Gebeten und Liedern!

So entsteht ein riesiges Gemeinschaftsgefühl. Das stärkt ganz im Sinne des diesjährigen Titels von unseren nigerianischen WGT-Schwestern: Ich will euch stärken, kommt!

Der Weltgebetstag gibt uns die Möglichkeit, etwas gegen die Lähmung gegenüber den Weltkrisen tun zu können! So haben wir in der Schweiz seit 90 Jahren immer wieder auf diese Herausforderungen unserer gemeinsamen Erde aufmerksam gemacht, wie die Folgen der Klimaerwärmung und Frauendiskriminierungen. Wir sprechen uns klar gegen Ungerechtigkeiten und für den Frieden aus. Da wir ein eigenständiger Verein sind, können heikle Themen auch ausgesprochen und dafür gebetet werden.

Weltgebetstag bedeutet gewachsene und gelebte Ökumene

Spannend finde ich auch, dass wir in der kleinen Schweiz in fünf Sprachen feiern und so im Kleinen die Welt abbilden. Ebenso eindrücklich ist die gelebte Ökumene. Beispielhaft vereint der WGT verschiedenste Konfessionen und Denomination. Diese kamen durch die Jahrzehnte verteilt dazu: Begonnen mit den Methodistinnen, gestärkt durch die evangelischen Frauen. Die Ökumene wurde dann erweitert durch die christkatholischen und katholischen Frauen und wird heute mitgetragen von neuapostolischen und orthodoxen Frauen sowie der Heilsarmee.

Besonders beeindrucken mich in dieser 90-jährigen Geschichte die Liturgie 1972, welche mit Texten von Silja Walter gestaltet wurde und diejenige von 1992, die Deutschland, Österreich und die Schweiz gemeinsam erarbeiteten als Geschenk für die ganze Welt: «In Weisheit mit der Schöpfung leben».

Immer ein Jahr lang befassen wir uns mit einem der etwa 140 WGT-Länder. Wir tauchen in deren Realität, Kultur und frauenspezifischen Themen ein, um dann nach allen Vorbereitungen miteinander als Höhepunkt den Weltgebetstag zu feiern. Dieses Netzwerk motiviert mich als Präsidentin mit einem sehr engagierten Vorstand und Komitee weiterhin den WGT in der Schweiz voranzubringen, um jedes Jahr an der WGT-Feier singen zu können: «Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht…»

Sara Hanselmann: Frauen in ihren Rechten und Mitbestimmung stärken

«Informiert beten – Betend handeln» ist das Motto, nach welchem seit 90 Jahren in der Schweiz der Weltgebetstag der Frauen gefeiert wird.

Jedes Jahr freue ich mich auf den Tag und spüre die weltweite Verbundenheit durch das Feiern mit der gemeinsamen Liturgie.

Um im ganzen Land informiert beten zu können, wird die Liturgie aus dem englischen zuerst auf Deutsch und dann in die Landessprachen Französisch, Italienisch, Sursilvan und Vallader übersetzt. Die deutsche Übersetzung ist jeweils ein gemeinsames Werk von Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Diese dient als Grundlage für die Liturgien in unseren Landessprachen.

Spannend finde ich, Hintergrundwissen zum Herkunftsland insbesondere zu den Lebensumständen der Frauen zu recherchieren. Ich lerne immer wieder Neues und bin beeindruckt wie viele Frauen auf der ganzen Welt mit Stärke, Mut und Zuversicht ihren herausfordernden Alltag meistern.

Im schweizerischen Komitee erarbeiten wir verschiedene Beiträge, um uns dem Land und der Welt der Frauen in diesem Land zu nähern. Jedes Jahr setzen wir uns in einer Bibelarbeit mit dem Bibeltext der Liturgie auseinander und schlagen passende Lieder für die Feier vor. Wenn immer möglich, beziehen wir Frauen aus dem entsprechenden Weltgebetstagsland, die in der Schweiz leben, in unsere Vorbereitungen ein. Für mich sind das jeweils wichtige Begegnungen, die Einblicke in den Alltag in diesem Land erlauben.

Kollekten, die das Leben von Frauen verändern

Mit der Kollekte zeigen wir unsere Solidarität und unterstützen ganz verschiedene Projekte für Frauen. Die Projektarbeit ist für mich ein weiterer Aspekt, um die Frauen in ihren Rechten und in der Mitbestimmung zu stärken, ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern, die Gesundheit zu fördern, Bildung zu ermöglichen, ihre Lebensgrundlage zu schützen und die geschlechterspezifische Gewalt zu bekämpfen.

Für die Projektsuche arbeiten wir intensiv mit den Projektreferentinnen aus Deutschland und Österreich zusammen. In der Coronazeit konnten wir uns nicht physisch treffen und lernten mit Teams und Zoom umzugehen. Dadurch ist die Zusammenarbeit einfacher geworden. Wir können uns mehrmals im Jahr austauschen und auf dem neusten Stand halten.

Ich wünsche mir, dass der Weltgebetstag in der Schweiz auch in den nächsten 90 Jahren in Bewegung bleibt und so mit der Zeit mitgeht.


Was ist der Weltgebetstag? Am ersten Freitag im März wird in über 170 Ländern, Regionen und Inseln der Weltgebetstags-Gottesdienst gefeiert. Die Liturgie dazu wird jedes Jahr von christlichen Frauen aus einem anderen Land zusammengestellt und allen Ländern zur Verfügung gestellt. Der Weltgebetstag Schweiz ist Teil einer weltweiten Bewegung von Frauen aus vielen christlichen Traditionen. Jedes Jahr laden sie alle zum Feiern eines gemeinsamen Gebetstages ein. Durch die Gemeinschaft im Beten und Handeln sind die Menschen aus vielen Ländern auf der ganzen Welt miteinander verbunden. In der Schweiz sind es etwa 600 Gruppen, die in den Sprachen Vallader, Sursilvan, Italienisch, Französisch und Deutsch feiern.
2027 wird der internationale Weltgebetstag 100 Jahre alt.


 

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