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Die Welt mit Osteraugen sehen

2.Apr. 2026

Die Welt leidet. Krieg, Gewalt, Verhärtung. Schreckliche Schlagzeilen jagen sich. Unheilvolle politische Entwicklungen verstärken sich gegenseitig. Unheilige Allianzen. Vieles lastet auf uns. Es ist zum abschalten, abstumpfen, zum davonlaufen. Ostern blendet das nicht aus. Im Gegenteil: Darin findet Ostern statt. Indem Ostern – und mit Ostern wir alle – darin nicht aufgehen. Ostern setzt etwas anderes dagegen.

In den Dörfern des Piemont gibt es einen schönen Osterbrauch: Die Brunnen werden mit Blumen geschmückt. Am Ostermorgen waschen sich die Kinder mit dem Wasser die Augen. Sie tun es in der Hoffnung, die Welt mit Osteraugen sehen zu können.

Dieses Bild gefällt mir. Ostern heisst: neu sehen, frisch sehen.

Nicht an der Wirklichkeit vorbei. Sondern mitten in ihr. Die Wunden bleiben sichtbar. Aber sie erzählen nicht die ganze Wahrheit.

In der Auferstehung Jesu Christi von den Toten hätten wir eine lebendige Hoffnung, lesen wir im ersten Petrusbrief 3,15. Das ist mehr als Zuversicht auf bessere Zeiten. Diese Hoffnung lebt aus Gottes Treue. Sie vertraut darauf, dass in Jesus Christus nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern das Leben. Das ist der Osterblick, die Perspektive trotz allem.

Wer hinsieht und wer aus dieser Hoffnung lebt, sieht das Dunkel und bleibt dennoch nicht darin gefangen. Wer daraus lebt, muss nicht zynisch werden, kann dem Leben dienen, auch wenn vieles offen bleibt.In einem tröstenden Wort. In einem Besuch. In einer helfenden Hand. In einer Gemeinde, die zusammenkommt und sich an Gottes Verheissung erinnert.

Gott sei Dank, haben wir Osteraugen: Augen, die das Kaputte sehen und dennoch mit Gottes Zukunft rechnen. Hinter dem Jetzt das grosse Versprechen erkennen. Augen, die nicht nur auf das starren, was zerbricht, sondern auch auf das, was neu werden kann.

Die Zürcher Altstadt-Kirchen schmücken in diesem Jahr die Brunnen wieder mit Rosen. Vielleicht schöpfen alle Zürich-Reisenden auch hier eine handvoll des kühlen Nass und waschen sich die Augen mit dem Wasser aus den österlich geschmückten Brunnen.

Denn: Frische Augen sehen klar: Das Leben ist stärker. Nicht weil wir stark sind. Sondern weil Gott treu ist und neues Leben schafft. Das ist die Hoffnung, von der wir leben. Und von der wir erzählen können. Denn anders wird es dieses Jahr nicht Ostern werden.

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