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Mit der Position «Globalance – Christliche Perspektiven für eine menschengerechte Globalisierung» legt der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK eine umfassende ethisch-theologische Orientierung zur wirtschaftlichen Globalisierung vor. Das Dokument untersucht Chancen, Risiken und Konflikte weltweiter Verflechtungen und entwickelt daraus Kriterien für eine Globalisierung, die dem Menschen dient, die Schöpfung bewahrt und insbesondere die Schwächeren stärkt.
Die Publikation wurde von Christoph Stückelberger und Hella Hoppe verfasst. Der Rat SEK genehmigte sie am 6. September 2005; die Abgeordnetenversammlung nahm sie am 7. November 2005 zustimmend zur Kenntnis. Sie richtet sich an die Mitgliedkirchen und Kirchgemeinden des SEK, an den Kirchenbund selbst sowie an Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger in Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.
Anlass der Position waren die intensiven kirchlichen Debatten über wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit. Der Reformierte Weltbund hatte 2004 in Accra den «Bund für wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit» verabschiedet. Gleichzeitig bereitete der Ökumenische Rat der Kirchen das Dokument «AGAPE – Alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde» vor. Der SEK wollte mit «Globalance» zur Umsetzung dieser Anliegen in der Schweiz und zur Meinungsbildung in der weltweiten Ökumene beitragen.
Der Begriff «Globalance» steht für eine globale Balance von Werten. Die Position wendet sich gegen vereinfachende Gegensätze zwischen möglichst uneingeschränkter Marktöffnung und vollständiger Abschottung. Globalisierung wird weder grundsätzlich bejaht noch pauschal abgelehnt. Stattdessen fragt das Dokument danach, wie Werte miteinander verbunden werden können, die in einem Spannungsverhältnis stehen und dennoch zusammengehören.
Die Öffnung von Grenzen und Märkten kann nach Auffassung des SEK Freiheit, Austausch, wirtschaftliche Entwicklung und internationale Zusammenarbeit fördern. Sie ist jedoch nur dann lebensdienlich, wenn sie zugleich mit Gerechtigkeit verbunden wird. Dazu gehört insbesondere ein fairer Zugang möglichst vieler Menschen zu Ressourcen und Lebenschancen. «Globalance» bezeichnet deshalb keine statische Mitte, sondern die fortlaufende ethische Aufgabe, unterschiedliche Werte in ein verantwortliches Verhältnis zu setzen.
Die Publikation beschreibt Globalisierung als eine zunehmende weltweite Verflechtung von Menschen, Kapital, Waren, Dienstleistungen, Staaten, Institutionen, Kulturen, Wissenschaften, Religionsgemeinschaften und Werten. Sie betont, dass Globalisierung kein unausweichliches Naturereignis ist. Ihre konkrete Gestalt entsteht vielmehr durch menschliches Handeln und politische Entscheidungen und kann deshalb auch politisch und gesellschaftlich verändert werden.
Das Dokument setzt sich sowohl mit den Chancen als auch mit den negativen Folgen der Globalisierung auseinander. Zu den Chancen zählt es den weltweiten Wissensaustausch, neue Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten, technologische Fortschritte sowie eine engere internationale Zusammenarbeit. Kritisch beurteilt es dagegen wachsende soziale Ungleichheit, Machtkonzentration, instabile Finanzmärkte, Umweltbelastungen, den Abbau sozialer Standards und die Gefahr, Menschen auf ihre wirtschaftliche Funktion zu reduzieren.
Aus christlicher Sicht gehören Glaube und wirtschaftliches Handeln zusammen. Wenn Gott als Ursprung und Ziel aller Lebensbereiche verstanden wird, muss sich der christliche Glaube auch mit der Gestaltung der Wirtschaft befassen. Wirtschaftliches Handeln soll demnach Gottes Liebe und Gerechtigkeit widerspiegeln. Die Position versteht kirchliches Engagement deshalb sowohl als öffentliches Zeugnis als auch als konkreten Dienst an Menschen und Schöpfung.
Als tragfähiges wirtschaftliches Modell befürwortet die Position eine sozial und ökologisch regulierte Marktwirtschaft. Zugleich anerkennt sie, dass unterschiedliche Länder unterschiedliche Wirtschaftsmodelle und Entwicklungswege benötigen. Entwicklungsländern soll deshalb genügend wirtschafts- und handelspolitischer Spielraum bleiben, um eigenständig formulierte Strategien umzusetzen.
Zur Gestaltung der Globalisierung fordert der SEK koordinierte Reformen auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene. Armutsbekämpfung, Handel, Investitionen, Umweltschutz, Friedensförderung und Geschlechtergerechtigkeit dürfen nicht isoliert behandelt werden. Eine menschengerechte Globalisierung benötigt demokratisch legitimierte Institutionen, verbindliche internationale Regeln und eine gerechtere Verteilung von Macht und Verantwortung.
«Globalance» bietet eine evangelisch-reformierte Orientierung für eine bis heute zentrale Frage: Wie können weltweite wirtschaftliche Verflechtungen so gestaltet werden, dass sie Freiheit ermöglichen, Gerechtigkeit fördern, Menschenrechte stärken und die natürlichen Lebensgrundlagen bewahren? Die Position verbindet theologische Grundsätze mit wirtschaftsethischer Analyse und konkreten Empfehlungen für Kirche, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Das vollständige Dokument als PDF lesen: Hoppe et al – Globalance. Christliche Perspektive für eine menschengerechte Globalisierung. SEK Position 5.pdf
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