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Synodale Kirche(n) und kirchliche Synodalität

20.Nov. 2025

Der Sammelband Synodale Kirche(n) und kirchliche Synodalität beleuchtet kirchliche Synodalität aus römisch-katholischer, orthodoxer und evangelischer Sicht. Mit fundierten Beiträgen regt er zur vertieften Reflexion an – insbesondere auch für den reformierten Kontext – und eröffnet ökumenische Perspektiven.

Es ist erfreulich, dass das Thema „synodale Kirche“ in ökumenisch-theologischer Perspektive in einem von Nicola Ottiger und André Ritter herausgegebenen Sammelband aufgenommen wird. Dieser verbindet eine Fülle an erhellenden Beiträgen und Expertisen. Insgesamt sind es neben dem einleitenden Überblick und dem abschliessenden „Rückblick und Ausblick“ dreizehn Einzelbeiträge. Bezüglich einer vergleichenden normativen Systematik bleibt der Band, wie viele Sammelbände, zurückhaltend. Hier bräuchte es weitere Vertiefungen.

Ausgehen tut der Sammelband in Teil A vom „synodalen Weg in der römisch-katholischen Kirche“, geht über in Teil B, in dem orthodoxe, protestantische und altkatholische Perspektiven zu „kirchlicher Synodalität“ geboten werden und führt letztlich zum letzten Teil C, der überschrieben ist mit: „Kirchliche Synodalität in ökumenisch-theologischer Perspektive“.

Ökumenische Breite

Der Band bietet insgesamt eine präzise Einführung in die römisch-katholischen synodalen Traditionen insbesondere der letzten Jahre. Ergänzt wird dieser Schwerpunkt mit ökumenischen Einzelstimmen.

Die römisch-katholischen Beiträge verbindet, dass sie sich sowohl kritisch als auch konstruktiv auf eine deutlich verfasste Lehrtradition und kirchenrechtliche Quellen beziehen (können). So wird etwa erläutert, welche Kompetenzen eine Bischofssynode hat, wie diese mit dem Primat des Papstamtes zusammenhängt und welche Formen der Laienbeteiligung möglich sind und etwa im synodalen Prozess in Deutschland der letzten Jahre praktiziert werden. Das ist insgesamt sehr lehrreich und bietet mit den Fussnoten und den Quellenverweisen viele Vertiefungsmöglichkeiten.

Bei den evangelischen Beiträgen fehlt diese Klarheit in der lehramtlichen und kirchenrechtlichen Bezugnahme, da man sich diesbezüglich auf ziemlich verschiedene Traditionen beziehen kann: Ämtersynoden in reformatorisch-calvinischer Tradition sind zum Beispiel was ziemlich anderes als die in deutsch-lutherischen Traditionen entstehenden Synodetraditionen im 19. Jahrhundert im Horizont moderner repräsentativ-demokratischer Bewegungen und bischöflich-konsistorialer Voraussetzungen. Letzterer Interpretationsrahmen wurde auch für den Diskurs in der GEKE in der Unterscheidung von personaler, kollegialer und gemeinschaftlicher Leitung der Kirche prägender.

Interessante Einblicke gewähren die orthodoxen Beiträge, die herausstellen, wie zentral Synoden in dieser Tradition sind. Die Herausforderung besteht hier etwa in der Klärung der Verbindlichkeit einer panorthodoxen Synodalität in Bezug auf die autokephalen regionalen Kirchenterritorien.

Fokus auf evangelische Beiträge

Betrachtet man die evangelischen Beiträge von Mario Fischer, Martin Ernst Hirzel und Ulrich H.J. Körtner sind kirchengeschichtliche Analysen vorhanden. Diese betonen sachlich übereinstimmend, was Fischer so festhält: „Synoden gehören zur Corporate Identity evangelischer Kirchen.“

Mir fehlt in den evangelischen Stimmen allerdings eine systematisierte Typologie, die verschiedene Synode-Traditionen begrifflich ausdifferenziert und definiert. So lässt sich etwa fragen, ob es sinnvoll ist, modern-deutschschweizerische kantonalkirchliche Synoden, die repräsentativ-demokratischen Prinzipien und Logiken entsprechen und kaum mit einer Ämtertheologie korreliert sind, mit dem reformatorischen Typus „presbyterial-synodal“ des „Genfer Flügels“ zu verbinden. Letzterer wurde für den internationalen reformierten Protestantismus leitend. Dabei sind das lokale Presbyterium (Kirchenpflege etc.) und die verschiedenen föderal gestuften Synoden wesentlich Versammlungen von mindestens Pfarramt und Ältestenamt (Presbyteramt), die die Ortsgemeinden bzw. die jeweils kleineren Föderalebenen vertreten. Eine solche amtsorientierte und föderalistische „presbyterial-synodale“ Minimalbestimmung erfüllt der gegenwärtige deutschschweizerisch-reformierte Protestantismus grösstenteils nicht.

Die Diskontinuität zwischen reformatorischen Ämtersynoden, ihrer theologisch-lehramtlichen und lehrdisziplinarischen Funktion und modernprotestantischen repräsentativ-demokratischen „Kirchenparlamenten“ bzw. „Synoden“ wird mir sowohl bei Ulrich H.J. Körtner als auch Martin Ernst Hirzel zu wenig deutlich (und kritisch) herausgestellt. Diese Differenzen stärker zu profilieren, könnte helfen, in der weiteren Diskussion gerade Schnittmengen zwischen reformiert-reformatorischen Synodetraditionen und heutigen orthodoxen und römisch-katholischen Positionen zu entdecken und diese theologisch zu evaluieren. Darin sähe ich eine ökumenische Chance.

Bewertung und Leserschaft

Der Sammelband bietet eine willkommene Anregung, um kirchliche Synodalität zu reflektieren. Er kann für den schweizerisch-reformierten Kontext eine Hilfe sein, eine Diskussion über eine synodale Ordnung der Kirche zu etablieren. Dabei dürfte es besonders wichtig sein, die eigene Konfessionstradition differenziert zu interpretieren und so das evangelisch-ökumenische und weitere ökumenische Gespräch zu suchen.

Der Sammelband sei allen empfohlen, die kirchenleitend tätig bzw. an der theologischen Reflexion kirchenleitender Prozesse interessiert sind.

Beat Büchi, Dr. theol., Jahrgang 1983, ist Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Zürich.

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Synodale Kirche(n) und kirchliche Synodalität. Ökumenisch-theologische Perspektiven, Nicola Ottiger & André Ritter (Hg.), Theologischer Verlag Zürich, 2024.

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Beat Büchi

Beat Büchi

Dr. Theol., Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Zürich

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