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Pfarrerin Sylvia Michel war von 1980 bis 1986 Kirchenratspräsidentin der Reformierten Kirche Aargau und von 1986 bis 1998 Mitglied des Rates SEK. Ihr zu Ehren wird seit 2009 der internationale Sylvia-Michel-Preis verliehen. Sylvia Michel verstarb am 24. Juni 2025 im 90. Lebensjahr im Alters- und Pflegeheim Tabor, Wald ZH.
Sylvia Michel war eine Pionierin: 1964 übernahm sie das Pfarramt der Kirchgemeinde Ammerswil. Damit war sie die erste Frau, die allein – ohne einen männlichen Pfarrer an ihrer Seite – ein Pfarramt leitete. Ihretwegen wurde dafür die Kirchenordnung geändert. Zehn Jahre später, 1974, wurde sie – wiederum als erste Frau – in den Kirchenrat der Reformierten Kirche Aargau gewählt. Von 1980 bis 1986 hatte sie das Kirchenratspräsidium inne und war damit erneut die erste Frau in Europa, die eine Leitungsfunktion in einer Kirche innehatte.
Auf ihre Pionierrolle bildete sie sich nicht viel ein. Auch die damals hoch im Kurs stehende feministische Theologie interessierte sie nicht in erster Linie. Für Sylvia Michel stand die politische Theologie im Mittelpunkt – sei es in ihren Predigten zum Vietnamkrieg oder in ihrer dezidierten Positionierung gegen das Apartheid-Regime in Südafrika. Sylvia Michel engagierte sich in vielfacher Hinsicht auf nationaler und internationaler Ebene: Sie war von 1986 bis 1998 Mitglied des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK), vertrat 1982 den SEK an der Vollversammlung des damaligen Reformierten Weltbunds (RWB) in Ottawa und wirkte von 1992 bis 2000 als Präsidentin des Internationalen Verbandes für Diakonie (seit 1996 Eurodiakonia).
In dankbarer Erinnerung an ihre Pionierarbeit und in Anerkennung der Kompetenz, mit der Frauen Kirchen tragen und führen, wurde im Juli 2007 der internationale Sylvia-Michel-Preis von der Reformierten Landeskirche Aargau in Partnerschaft mit dem Verein PanKS (Präsidentinnen und Vizepräsidentinnen, amtierende und nicht amtierende, der Schweizer Kirchen) und dem Reformierten Weltbund (heute Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen) geschaffen. Der Preis wird mittlerweile von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) ausgerichtet. Er ehrt in dankbarer Erinnerung an die Pionierin Sylvia Michel seit 2009 Frauen und Projekte, die sich für die Förderung von Führungspositionen von Frauen in der reformierten Kirche engagieren.
Die Kirchen im Aargau, in der Schweiz und auch weltweit haben dem Engagement von Sylvia Michel viel zu verdanken. Die Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt.
(ergänzte Fassung von Claudia Daniel-Siebenmann, mit freundlicher Genehmigung)