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Angesichts der anhaltenden Gewalt und der jüngsten Eskalationen im Nahen Osten haben sich kirchliche Akteurinnen und Akteure auf verschiedenen Ebenen wiederholt und öffentlich zu Wort gemeldet. Internationale kirchliche Weltbünde wie der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) haben in Stellungnahmen, gemeinsamen Erklärungen und Appellen zu Frieden, Deeskalation und zum Schutz der Zivilbevölkerung aufgerufen. Ergänzt werden diese internationalen Stimmen durch Rückmeldungen aus evangelischen Kirchen und kirchlichen Institutionen der Region selbst. Sie stammen von Menschen, die unter den Auswirkungen von Krieg, Unsicherheit und gesellschaftlicher Erschütterung unmittelbar leben und arbeiten und ihre Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen teilen.
Auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz hat zur aktuellen Lage im Nahen Osten eine eigene Stellungnahme veröffentlicht.
Im Folgenden werden internationale kirchliche Stellungnahmen sowie Stimmen aus evangelischen Kirchen und kirchlichen Institutionen der Region dokumentiert.
Der Ökumenische Rat der Kirchen hat sich in mehreren offiziellen Stellungnahmen zur Eskalation der Gewalt im Nahen Osten und insbesondere zur Ausweitung des Konflikts in Richtung Iran geäussert. In diesen Erklärungen warnt der ÖRK vor einer gefährlichen Spirale der Gewalt, verurteilt militärische Angriffe auf zivile Infrastruktur und erinnert eindringlich an die völkerrechtliche Verpflichtung zum Schutz der Zivilbevölkerung. Wiederholt fordert er politische Verantwortliche zu Deeskalation, Dialog und diplomatischen Lösungen auf und machen auf die gravierenden humanitären und gesellschaftlichen Folgen der anhaltenden Gewalt aufmerksam.
Zentrale Stellungnahmen (neueste zuerst):
Ergänzend zu seinen Stellungnahmen lädt der ÖRK auch zu gemeinschaftlichem Gebet ein und stellt entsprechende Materialien für Kirchen und Gemeinden zur Verfügung:
Auch die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen hat sich in einer Reihe von Stellungnahmen deutlich zur Eskalation der Gewalt im Nahen Osten geäussert. Sie verurteilt militärische Angriffe und Luftschläge, mahnt die Einhaltung des humanitären Völkerrechts an und betont ihre Solidarität mit den leidtragenden Menschen, sowie besonders mit den reformierten Kirchen in der Region. Wiederholt fordert sie ein Ende der Gewalt, den Schutz von Zivilpersonen und die Wiederaufnahme ernsthafter politischer und diplomatischer Prozesse.
Stellungnahmen (neueste zuerst):
Besondere Bedeutung kommt einer gemeinsamen Erklärung mehrerer kirchlicher Weltbünde, darunter der ÖRK und die WGRK, zu. In dieser Stellungnahme wird die Ausweitung des Konflikts als schwere Bedrohung für Frieden, gesellschaftlichen Zusammenhalt und humanitäre Sicherheit bezeichnet. Sie macht auf die dramatischen Konsequenzen für Zivilbevölkerung, für Geflüchtete sowie für besonders verletzliche Gruppen aufmerksam und ruft die internationale Gemeinschaft zu entschlossenem Handeln für Waffenstillstand, Schutz der Menschenrechte und nachhaltige Friedensprozesse auf.
Middle East Council of Churches (MECC)
Auch der Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC) hat sich wiederholt zur Eskalation der Gewalt geäussert. Er beschreibt die wachsende humanitäre Not der Zivilbevölkerung, die Belastung der kirchlichen Strukturen vor Ort sowie die Bedeutung von Fürbitte, Solidarität und internationaler Verantwortung. In seinem Bulletin «Light of Hope» macht der MECC deutlich, wie sehr Kirchen in der Region zugleich betroffen und tragende Akteure im Dienst an den Menschen sind.
Wie evangelische Kirchen und kirchliche Institutionen im Nahen Osten die aktuelle Eskalation erleben, zeigt sich besonders deutlich in den Stimmen jener, die unter den Bedingungen von Krieg, Unsicherheit und gesellschaftlicher Erschöpfung kirchliche Verantwortung tragen. Die hier versammelten Stimmen stammen aus evangelischen Partnerkirchen und ‑organisationen der Evangelisch‑reformierten Kirche Schweiz. Sie sprechen über das, was sie belastet, worum sie ringen und was ihnen angesichts der Gewalt dennoch Hoffnung gibt.
Rosangela Jarjour,
Generalsekretärin des Fellowship of Middle East Evangelical Churches (FMEEC)

«Wir leben seit Wochen in einer dauernden Anspannung. Viele von uns sind müde – nicht nur körperlich, sondern innerlich. Niemand weiss, wie lange diese Gewalt noch anhält oder wie weit sie sich ausdehnen wird. Was besonders schmerzt, ist das Gefühl der Ohnmacht: Viele erleben diesen Krieg als sinnlos und vermeidbar, und doch geraten wir mitten hinein. Unser Glaube trägt uns weiterhin, aber er wird herausgefordert. Gerade deshalb ist es für uns wichtig, dass unser Leiden wahrgenommen wird und dass kirchliche Stimmen international klar für ein Ende der Gewalt und für politische Verantwortung eintreten.»
Paul Haidostian,
Präsident der Union of Armenian Evangelical Churches in the Near East (UAECNE)
«Ich halte es für gefährlich, wenn militärische Macht als Lösung akzeptiert wird. Noch gefährlicher wird es, wenn Religion benutzt wird, um Gewalt zu rechtfertigen oder zu verschleiern. Kirche darf diesen Weg nicht mitgehen. Unsere Aufgabe ist es, einen anderen Horizont offenzuhalten: den Weg Christi, der nicht auf Durchsetzung, sondern auf Umkehr, Barmherzigkeit und Frieden zielt. Gleichzeitig stehen unsere Gemeinden und Institutionen im Libanon, in Syrien, im Irak und im Iran unter enormem Druck. Trotzdem engagieren sie sich mit grosser Kraft für Vertriebene – materiell, seelsorgerlich und geistlich.»
Joseph Kassab,
Generalsekretär der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL)
«Was uns am stärksten fordert, ist die Situation der Zivilbevölkerung – besonders der Kinder und Familien. Vertreibung, Angst und psychische Erschöpfung prägen den Alltag vieler Menschen. In dieser Lage übernehmen Kirchen Verantwortung dort, wo staatliche Strukturen nicht mehr tragen. Sie sind Orte des Schutzes, der Stabilität und der Begleitung. Entscheidend ist, dass Unterstützung Würde wahrt und Menschen langfristig stärkt.»
Harout Selimian, Evangelische Kirche in Aleppo
«Wir leben mit den Langzeitfolgen von Krieg und Instabilität, und nun kommen neue Unsicherheiten hinzu. Besonders belastend ist die Situation junger Menschen, die keine klaren Zukunftsperspektiven sehen und zwischen Weggehen und Bleiben zerrieben werden. Kirchen, Schulen und Gemeindeinstitutionen sind für uns Orte der Kontinuität. Hier bleiben Bildung, Seelsorge und soziale Verantwortung möglich. Hoffnung entsteht nicht durch grosse Worte, sondern dadurch, dass Menschen den Alltag gemeinsam tragen.»
Martin Accad, Präsident der Near East School of Theology (NEST), Beirut
«In einer Realität, die von Gewalt, Vertreibung und Verlust geprägt ist, verstehen wir Bildung nicht als Rückzug, sondern als Dienst. Theologische Ausbildung, geistliche Begleitung und Gemeinschaft sind langfristige Investitionen – in Dialogfähigkeit, Verantwortung und Frieden. Gerade jetzt geht es darum, Menschen zu stärken, die Kirche und Gesellschaft auch unter extremen Bedingungen kritisch, verantwortungsvoll und versöhnungsbereit mitgestalten.»
Die Evangelisch‑reformierte Kirche Schweiz steht in enger Verbindung mit ihren evangelischen Partnerkirchen und ‑organisationen im Nahen Osten. Neben Fürbitte und politischer Aufmerksamkeit unterstützt sie humanitäre Hilfe über ihr Hilfswerk HEKS. Aktuell weist die EKS auf den Spendenaufruf von HEKS für die Nothilfe- und KiZA-Projekte im Nahen Osten hin.
Darüber hinaus bietet HEKS am 28. April 2026 ein Online‑Event zur Eskalation im Nahen Osten an. Die Veranstaltung gibt Einblicke in die aktuelle Lage und die humanitäre Arbeit von HEKS gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen.
Online‑Event: Eskalation im Nahen Osten – Einblicke in die aktuelle Lage und die humanitäre Arbeit von HEKS