a
  1. Start
  2. Beiträge
  3. Reformierte Kirche sichert Seelsorge für Asylsuchende – Synode in Bulle abgeschlossen

Reformierte Kirche sichert Seelsorge für Asylsuchende – Synode in Bulle abgeschlossen

16. Juni 2026

Die Sommersynode der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS) ist am Dienstag in Bulle (FR) zu Ende gegangen. Zum Abschluss sicherte sie die Seelsorge in den Bundesasylzentren für die Jahre 2027–2030 und bekräftigte damit ihr diakonisches Engagement für Menschen am Rand der Gesellschaft. In drei Tagen bestätigte die Synode zudem ihre Kirchenleitung, beschloss einen neuen, solidarischen Beitragsschlüssel und rang um die öffentliche Rolle der Kirche.

Hier finden Sie Fotos aller Synodetage

Solidarische Seelsorge in den Bundesasylzentren
Als eines der letzten Geschäfte sicherte die Synode die Seelsorge in den Bundesasylzentren (BAZ) für die Jahre 2027–2030. Sie genehmigte deren solidarische Finanzierung durch die Gemeinschaft der reformierten Kirchen. Die Asylseelsorge begleitet Menschen im Asylverfahren unabhängig von Herkunft und Religion und ist vor Ort oft eine der wenigen unabhängigen Ansprechstellen ausserhalb der Behörden. Getragen wird sie solidarisch: Mitgliedkirchen, auf deren Gebiet sich ein Bundesasylzentrum befindet, werden von allen Mitgliedkirchen mit insgesamt rund CHF 470’000 pro Jahr gemeinsam finanziell unterstützt.

Nachhaltigkeit: 40 Jahre oeku und Grüner Güggel für die EKS 
Zum 40-Jahr-Jubiläum der oeku – Kirchen für die Umwelt richtete deren Präsident Daniel Schmid-Holz ein Grusswort an die Synode. Das Engagement für Umwelt und Nachhaltigkeit, betonte er, sei ein kirchlich-theologisches Kernanliegen.

«Die Arbeit der oeku ist Teil der gemeinsamen Verantwortung der Kirchen. Und diese Verantwortung wird heute ganz konkret sichtbar.» — Daniel Schmid-Holz, Präsident der oeku – Kirchen für die Umwelt 

Sichtbar wurde sie unmittelbar danach: Die Geschäftsstelle der EKS erhielt das Zertifikat des vor gut zehn Jahren lancierten kirchlichen Umweltlabels «Grüner Güggel». Damit ist ihr Umweltmanagement offiziell zertifiziert – ein Zeichen für nachhaltiges Handeln, das auch die Mitgliedkirchen zu eigenen Schritten ermutigen soll.

Jahresbericht HEKS 
Die Synode nahm den Jahresbericht 2025 des Hilfswerks der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (HEKS) zur Kenntnis. HEKS führte im vergangenen Jahr über 200 Projekte im In- und Ausland und leistete unter anderem für 38,9 Millionen Franken humanitäre Hilfe; im Inland setzte das Werk 43,8 Millionen Franken ein, davon 14,6 Millionen für Projekte zu Flucht und Migration. Das Geschäftsjahr schliesst mit einem Aufwandüberschuss von 8,2 Millionen Franken – ein Ergebnis, das laut HEKS leicht besser ausfiel als budgetiert, aber die schwieriger gewordenen Rahmenbedingungen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe sowie den Wegfall des Rechtsschutzmandats Nordwestschweiz im Inland widerspiegelt. Sowohl der Gesamtertrag (129,0 Millionen Franken) als auch das Projektvolumen gingen gegenüber dem Vorjahr zurück. Mit einem Anteil der Administrations- und Mittelbeschaffungskosten von 10,8 Prozent bleibt HEKS deutlich unter dem Höchstwert der Zewo-zertifizierten Hilfswerke.

Sozialdiakonie und KI 
Zur Kenntnis nahm die Synode den Tätigkeitsbericht und die Jahresrechnung 2025 der Stiftung fondia, die sozialdiakonische Projekte in den reformierten Kirchgemeinden fördert – 2025 erneut mehrere Dutzend Gesuche, von der vergünstigten Lebensmittelabgabe für Armutsbetroffene bis zu niederschwelligen Gemeindeangeboten. Einen Schwerpunkt setzte die Stiftung beim Thema «KI und Diakonie»: Gemeinsam mit der Konferenz Diakonie Schweiz unterstützte sie eine Weiterbildungsreihe, die fragt, welche Chancen und Grenzen künstliche Intelligenz in der sozialen Arbeit der Kirchen hat. In mehreren Modulen erprobten über 120 Fachpersonen konkrete Anwendungen und diskutierten ethische Fragen – etwa, wo KI sinnvoll entlastet und wo es im Umgang mit Menschen in Not die persönliche Zuwendung braucht, die sich nicht an Algorithmen delegieren lässt. Die Stiftung versteht diese Auseinandersetzung als Grundlage für künftige Projekte und schloss das Jahr finanziell solide ab.

Finanzierung der kirchlichen Werke 
Die Synode beschloss den solidarischen Sockelbeitrag 2027 an die kirchlichen Werke in der vom Rat beantragten Höhe von rund 4,45 Millionen Franken. Über diesen seit 2026 erhobenen Beitrag tragen die Mitgliedkirchen die Arbeit des Hilfswerks HEKS und der Missionsorganisationen Mission 21 und DM gemeinsam. Die Beiträge der einzelnen Kirchen bleiben unverändert; der Rat verzichtete bewusst darauf, der laufenden Debatte über den Beitragsschlüssel vorzugreifen. Der Sockelbeitrag bündelt die bisher getrennten Finanzierungswege, schafft mehr Transparenz und Planungssicherheit und stellt den Werken frei verfügbare Mittel zur Verfügung, mit denen sie flexibel auf neue Herausforderungen reagieren können.

Informationen des Rates: Seelsorge im Gesundheitswesen und Schutz der persönlichen Integrität 
Der Rat informierte über zwei Schwerpunkte. Zum einen über das nationale ökumenische Kompetenzzentrum Seelsorge im Gesundheitswesen (KSiG), das die Synode im November 2024 bewilligt hatte und das unter der Leitung von Claudia Kohli Reichenbach vor neun Monaten die Arbeit aufnahm. Im Januar 2026 fand mit rund 80 Teilnehmenden aus allen Landesteilen die erste nationale Seelsorgekonferenz statt; im Aufbau sind ein gesamtschweizerisches Netzwerk und eine Wissensplattform, die die Seelsorge in Spitälern, Heimen und Kliniken stärken sollen.

Zum anderen berichtete der Rat über den Stand beim Schutz der persönlichen Integrität. Nach den an der Sommersynode 2025 verabschiedeten «Grundlagen und Standards» und der im November 2025 beschlossenen unabhängigen wissenschaftlichen Studie zu sexuellem und spirituellem Missbrauch im Umfeld der reformierten Kirchen treibt die EKS den Aufbau gemeinsam getragener Strukturen voran: eine einheitliche, schweizweit zuständige Meldestelle in Zusammenarbeit mit den kantonalen Opferhilfestellen, ein Konzept für Anerkennungsleistungen an Betroffene sowie die strukturierte Erfassung gemeldeter Fälle. Damit will die EKS Prävention, Aufarbeitung und einheitliche Standards über alle Mitgliedkirchen hinweg sicherstellen.

Weitere Geschäfte 
Für das Ökumenische Institut Bossey bei Genf, das Aus- und Weiterbildungszentrum des Ökumenischen Rates der Kirchen, beschloss die Synode für 2027 eine Kollekte mit der Zielsumme von 60’000 Franken.

In der Fragestunde beantwortete der Rat eine Frage des Waadtländer Synodalrats (EERV) zur Anwendung des in der Verfassung verankerten Subsidiaritätsprinzips. Die Waadtländer Kirche wollte die Kriterien genauer kennen, nach denen Themen national angegangen werden – konkret bei der Festlegung der Zielsummen für die kirchlichen Werke und bei den Vorlagen zum Schutz der persönlichen Integrität –, und gab zu bedenken, dass der Spielraum für ein nationales Vorgehen gering sei, wenn eine Mitgliedkirche selbst im Thema engagiert ist. Der Rat verwies auf ein dynamisches Verständnis von Subsidiarität: Massgeblich sei nicht nur, was eine einzelne Kirche besser selbst erledige, sondern ebenso, was gemeinsam glaubwürdiger und wirksamer gelinge. Ein gemeinsames Vorgehen setze stets einen Synodenauftrag voraus, werde partizipativ erarbeitet und mit Vernehmlassungen rückgekoppelt; verbindliche Weisungen an die Mitgliedkirchen seien dabei ausgeschlossen. In beiden genannten Beispielen sei dieses Verfahren eingehalten worden – auch die Waadtländer Kirche sei jeweils direkt beteiligt gewesen.

Bilanz der beiden Vortage 
Am Sonntag hatte die Synode ihre Kirchenleitung für die Amtsdauer 2027–2030 bestätigt: Präsidentin Rita Famos wurde einstimmig wiedergewählt, alle sechs weiteren Mitglieder des Rates EKS mit grosser Mehrheit. Ebenfalls am Sonntag richtete Bruno Marmier, Präsident des Grossen Rates des Kantons Freiburg, ein Grusswort an die Synode.

Der Montag stand im Zeichen grundsätzlicher Richtungsfragen. Mit dem neuen «Solidaritätsmodell» beschloss die Synode einen Beitragsschlüssel für die EKS, der die Beiträge der Mitgliedkirchen stärker an ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ausrichtet; der Rückweisungsantrag der Reformierten Kirche Kanton Luzern wurde deutlich abgelehnt, der neue Schlüssel schliesslich mit nur zwei Gegenstimmen verabschiedet. In einer Interpellation klärte die Synode zudem, wann und wie sich die EKS öffentlich äussert, und sie beriet über die Annäherung an die lutherischen Kirchen (BELK) sowie über Rechenschaftsbericht, Rechnung und Décharge 2025.

Fotos der Synode