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Crans-Montana: Nationaler Trauertag und Glockengeläut

2.01.2026

Nationaler Trauertag und Glockengeläut

Update vom 9. Januar 2026

Gebet zur Gedenkfeier der Opfer von Crans-Montana

Gott – Du
Wir sind hier.   

Zerbrochen. 
Weil Leben jäh endet. 
Weil etwas geschehen ist, 
das nicht hätte geschehen dürfen. 
Und weil Fragen bleiben.  

Warum?  

Wir halten inne. 
In einer schweren Stille.  

Ein Atemzug 
für das, was fehlt. 
Für das, was nicht mehr gesagt, 
nicht mehr gelebt, 
nicht mehr geteilt werden kann.   

Warum?  

Wir denken an die Verletzten. 
An jene, die Schmerzen tragen, 
die um ihr Leben ringen, 
die Zeit brauchen, 
um wieder Vertrauen zu fassen – 
in den eigenen Körper, 
in den nächsten Schritt, 
in den kommenden Tag.  

Wir denken an alle, 
die an ihrer Seite wachen, hoffen, bangen.  

Wir danken für alle, die pflegen, heilen, trösten.  

Wir erinnern uns an Namen. 
An Gesichter. 
An Geschichten.  

Was war, 
bleibt in uns. 
Was fehlt, 
schmerzt.  

Und immer wieder diese Fragen: 
Warum? 
Warum du? 
Warum sie? 
Warum gerade er?  

Wir stehen hier 
nicht um zu erklären, 
was keiner begreifen kann, 
sondern um da zu sein.  

Miteinander. 
Nebeneinander. 
Zusammen.  

Zusammen trauern 
ohne Antwort. 
Erinnern 
ohne Worte.  

Darin verbunden. 
Über Unterschiede hinweg. 
Im Glauben 
und im Zweifeln.  

Möge Mitgefühl 
eine leise Kraft sein, 
die uns trägt.  

Möge Liebe gerade auch da sein  
wo wir nicht glauben und nicht mehr hoffen.  

Im Aushalten. 
Im Tragen. 
Im Teilen dessen, 
was schwer ist.  

Dieser Moment sammelt uns. 
Dieser Moment hält uns.  

Halt uns auch Du 
in Deiner Verbundenheit.  

Amen

(Rita Famos, 7. Januar 2026)

Update vom 7. Januar 2026

Am Freitag, 9. Januar 2026, begehen die Schweiz und ihre Kirchen einen nationalen Trauertag im Gedenken an die Todesopfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana. Viele Kirchgemeinden im ganzen Land halten an diesem Tag ihre Kirchen für Stille, persönliches Gebet und Gemeinschaft offen. Sie laden Menschen ein, innezuhalten, Kerzen anzuzünden, Sorgen und Trauer Raum zu geben und Verbundenheit zu erfahren.

Dass die ganze Schweiz aufgefordert ist, am Freitag um 14.00 Uhr innezuhalten, steht für die Trauer, die das Land mit den direkt betroffenen Familien und Freundeskreisen teilt. Um 13.45 Uhr beginnt in Martigny (VS) die vom Kanton Wallis organisierte Gedenkzeremonie. In Bern werden an diesem Tag die Fahnen des Bundeshauses und der Bundesgebäude auf Halbmast gesetzt.

Der nationale Trauertag ist der Erinnerung an die Verstorbenen, der Solidarität mit den Verletzten sowie der Verbundenheit mit allen Betroffenen gewidmet. Bundespräsident Guy Parmelin lädt gemeinsam mit den Schweizer Kirchen die Bevölkerung zu einer landesweiten Schweigeminute um 14.00 Uhr und zu einem Moment des Gedenkens ein. Zeitgleich werden im ganzen Land die Kirchenglocken fünf Minuten lang läuten.

Solidarität, die trägt: In Gedanken und Gebeten bei den Betroffenen von Crans-Montana

Die Nachricht von der Tragödie in Crans-Montana hat uns in der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz tief erschüttert. Viele auch sehr junge Menschen sind in der Silvesternacht verletzt worden, viele haben ihr Leben verloren. Viele bangen um ihr Leben. Für Angehörige und Freundeskreise hat das neue Jahr mit einem Schmerz begonnen, der nicht in Worte zu fassen ist.

In solchen Stunden bleibt nichts selbstverständlich. Was aber bleibt, ist die Verbundenheit: dass wir einander nicht allein lassen – weder die Trauernden noch die Verletzten, weder die Einsatzkräfte noch alle, die jetzt seelsorglich begleiten, zuhören, beten, organisieren, tragen.

Diese Verbundenheit kommt nicht nur aus der Schweiz. In den letzten Tagen haben uns bewegende Zeichen ökumenischer und internationaler Solidarität erreicht. Der Ökumenische Rat der Kirchen erinnert in seinem Kondolenzschreiben an das Wort aus Psalm 34: «Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind.» Und er spricht den Kirchen in der Schweiz zu: Ihr seid nicht allein – Menschen weltweit trauern mit euch und stehen euch im Gebet zur Seite.

Auch aus Deutschland hat uns ein persönlicher Gruss erreicht: Präses Dr. Thorsten Latzel von der Evangelischen Kirche im Rheinland drückt tief empfundene Anteilnahme aus – «in Gedanken und Gebeten bei Euch» – und verbindet damit den Wunsch, dass Gott die Trauernden tröste und alle stärke, die jetzt helfen: Rettungskräfte, medizinisches Personal, Seelsorgende und alle, die in diesen Tagen an ihre Grenzen gehen.

Und aus dem Kreis der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen in Europa schreiben uns Philip Peacock (Generalsekretär) und Martina Wasserlos (Präsidentin WGRK Europa), in grosser Betroffenheit: «Mit unseren Gebeten sind wir mit Euch.»

Der Rat EKS ist dankbar für diese Zeichen. Wenn Leid alles zu zerreissen droht, dann ist Solidarität kein grosses Wort, sondern gelebte Nähe: ein Anruf, ein Brief, eine Kerze, ein stilles Gebet. Und auch die Bereitschaft, praktisch zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird.

Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Familien und Freundeskreisen der Verstorbenen, bei den Verletzten und allen, die jetzt um ihre Genesung ringen. Ich bete für die Einsatzkräfte und alle Fachpersonen, die unter grossem Druck handeln müssen. Und ich denke an die seelsorgliche Begleitung vor Ort: an Pfarrpersonen, Diakoninnen und Diakone, Freiwillige und alle, die da sind, wenn Worte fehlen, und die Trauer aushalten, ohne sie zu vertrösten.

Mögen wir als Kirchen in der Schweiz und über die Landesgrenzen hinaus weiter zusammenstehen – im Gebet, in der Seelsorge, in der konkreten Unterstützung. Und mögen wir in dieser Dunkelheit Spuren von Hoffnung entdecken: in der Liebe, die trägt, und in Gott, der den Zerbrochenen nahe ist.

Am 9. Januar 2026 findet in Crans-Montana eine zentrale Gedenkfeier statt.

Der Rat EKS lädt zusammen mit den Waadtländer Kirchen und der Israelitischen Gemeinde Lausanne und des Kanton Waadt zum gemeinsamen Gebet ein:

Gemeinsames Gebet

O Gott,
angesichts des Ausmasses der Tragödie in Crans Montana, des Leidens der Betroffenen und unseres Gefühls der Ohnmacht beginnen wir damit, vor dir still zu werden.

Getragene Stille

Wir bitten dich für alle Familien von hier und anderswo, die in schrecklicher Ungewissheit leben, ob ihre Kinder noch am Leben sind; die fürchten, sie könnten zwischen Leben und Tod schweben; die von ihnen getrennt sind, weil sie fern von zu Hause behandelt werden.

Vater des Himmels und der Erde,
höre den Schrei des Schmerzes und der Hoffnung, der aus jeder und jedem aufsteigt.

Stille

Unter den Opfern waren viele Lernende, Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, Studentinnen und Studenten. Wir bitten dich für ihre Freundinnen und Freunde, die von diesem Unglück in dieser Nacht, die ein Tag des Festes und der Freundschaft hätte sein sollen, hart getroffen sind.

Vater des Himmels und der Erde,
höre den Schrei des Schmerzes und der Hoffnung, der aus jeder und jedem aufsteigt.

Stille

Wir bitten dich in Dankbarkeit für alle Menschen, die sich seit der Tragödie unermüdlich eingesetzt haben: die Feuerwehrleute, die Polizistinnen und Polizisten, die Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal, die Krisenstäbe, die Freiwilligen, die Politikerinnen und Politiker, die Ermittlerinnen und Ermittler.

Vater des Himmels und der Erde, erneuere in allen die Kraft und die nötige Einsicht, um in dieser Krise Entscheidungen zu treffen.

Stille

Wir vertrauen dir alle Menschen an, die in dieser Zeit Opfer von bekannten oder unbekannten Dramen sind und niedergeschlagen, hilflos, ohne jeden Halt geworden sind.

Vater des Himmels und der Erde, schenke jeder und jedem, dass sie an ihrer Seite Menschen finden, die zuhören, unterstützen und mitfühlen.

Stille

Gepriesen seist du, der du uns in unseren Gemeinden, unserem Kanton und unserem Land zur Einheit rufst – über unsere konfessionellen, religiösen, politischen oder persönlichen Unterschiede hinaus.

Möge diese Gemeinschaft unser Miteinander prägen, nicht nur in diesen düsteren Tagen, sondern auch durch all die Jahre hindurch, die du uns zu leben gibst.

Stille

Dieses Drama – und so viele andere – erschüttert unseren Glauben.
Wir fühlen uns klein und zerbrechlich, ohnmächtig angesichts des Leids dieser Tragödie und so vieler anderer, die in uns manchmal ein tiefes Gefühl der Sinnlosigkeit aufsteigen lassen.

Du, Quelle allen Segens, und du, der du alle menschliche Einsicht übersteigst;
du, der du die Schreie der Opfer hörst und die Zweifel der Menschen nicht scheust: Wir bitten dich, bewahre uns davor, in solchen Situationen wohlfeile und allzu einfache Tröstungen auszusprechen, und rufe uns deine grenzenlose Liebe in Erinnerung, die allein die Niedergeschlagenen aufrichten kann.

Gib uns zu glauben, dass nichts uns von deiner Liebe trennen wird.

Gepriesen seist du, Herr, unser Gott, Vater des Himmels und der Erde, für dein Wort, das unseren Weg erhellt, wie einst die Wolke dein Volk in der Wüste begleitet hat.

Amen