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Der Verhaltenskodex ist ein zentrales Element im Risikomanagement zum Schutz der persönlichen Integrität im kirchlichen Kontext. Das nachfolgende Vertiefungsmaterial richtet sich an die Mitgliedkirchen, stellt grundlegende Haltungen dar, erläutert die Prinzipien für die Ausarbeitung des Verhaltenskodex und beschreibt die Massnahmen, die bei einem Verstoss zu ergreifen sind.
Die Behandlung von Verletzungen der persönlichen Integrität zeigt, dass die Verschiebung von Grenzen oder ein subtiler Abbau von Distanz lange vor dem eigentlichen Missbrauch beginnt. Die Täterinnen und Täter nutzen unklare Situationen, nicht definierte Grenzen, diffuse Rollen und unklare Aufträge strategisch aus, um systematisch eine Beziehung der Einflussnahme zu den Betroffenen aufzubauen und Missbrauch zu verüben, der sich oft wiederholt und dann systemisch wird. In allen Institutionen gibt es Risikosituationen, die Verletzungen der Integrität von Menschen in der Institution begünstigen, und diese Situationen können von potenziellen Täterinnen und Tätern für die Befriedigung von eigenen Bedürfnissen ausgenutzt werden. Im kirchlichen Umfeld sind diejenigen Tätigkeitsbereiche häufig mit einem Risiko behaftet, die ein asymmetrisches Beziehungsverhältnis von Menschen beinhalten. Bei diesen Menschen handelt es sich zum Beispiel um Minderjährige oder um schutzbedürftige Erwachsene, die Hilfe suchen. Die spirituelle Komponente des kirchlichen Umfelds verstärkt das Risiko noch, da auch sie für spirituellen, sexuellen und andere Formen von Missbrauch ausgenutzt werden kann. Daher sollen die Kirchen besonders darauf achten, spezifische Risikosituationen in ihren institutionellen Strukturen und Tätigkeitsbereichen zu identifizieren und zu diskutieren. Dies ermöglicht eine sachliche Thematisierung von Integritätsverletzungen und fördert Feedback zu kritischem Verhalten.
Ziel eines professionellen Risikomanagements ist es, Risikosituationen zu erkennen, um sie klar zu analysieren, zu besprechen und aufmerksam zu gestalten und um Präventionsmassnahmen zu ergreifen.
Es sind die folgenden Mindeststandards zu implementieren:
Umsetzung:
Der Verhaltenskodex ist ein Instrument, das den professionellen Umgang mit Nähe und Distanz in zwischenmenschlichen Beziehungen im beruflichen Umfeld regelt. Er hilft allen Mitarbeitenden, Freiwilligen und Ehrenamtlichen, die eigene Rolle und die eigenen Verantwortlichkeiten abzuklären und Risikosituationen besser zu verstehen. Durch die konkret formulierten Regeln hilft er, Grenzverletzungen leichter zu erkennen, zu vermeiden und zu erörtern.
Im kirchlichen Kontext verlangen die zwischenmenschlichen Beziehungen eine fein austarierte Balance zwischen (emotionaler und körperlicher) Nähe und einer der ausgeübten Funktion angemessenen Distanz. Dieser Spagat erfordert eine kontinuierliche Reflexion über die eigene Haltung und das eigene Handeln in konkreten Situationen. Der Verhaltenskodex zusammen mit den Qualitätsstandards unterstützt diese Reflexion und fördert eine Dialog- und Feedbackkultur. Er hilft zudem, die Vorboten und Warnzeichen für schwerwiegenderes kritisches Verhalten, die sich oft in Form kleiner Regelverletzungen zeigen, schnell zu erkennen. Sensible Situationen – wie Eins-zu-eins-Begegnungen, die Begleitung von Menschen ausserhalb der üblichen Orte oder Interaktionen, die eine körperliche Nähe mit sich bringen, – zu ermitteln, ermöglicht es, Regeln und Praktiken angemessen anzupassen.
Die meisten Grenzverletzungen sind unbeabsichtigt und finden in der alltäglichen Arbeit statt. Durch das Einhalten klarer Regeln, ein professionelles Verhalten und die Freiheit, in Zweifelsfällen nachfragen zu dürfen, können sie oftmals vermieden werden. Ein solcher Rahmen gibt Mitarbeitenden, Freiwilligen und Ehrenamtlichen Sicherheit und sie können ihre Aufgaben so auf professionelle Art und Weise ausführen. Er garantiert auch Kindern, Jugendlichen, anderen schutzbedürftigen Personen und deren Angehörigen, dass ihre Integrität in allen Interaktionen gewahrt bleibt.
Macht und Verantwortung:
Beispiel:
Ich bin mir jederzeit bewusst, dass die Menschen, um die ich mich kümmere, abhängig und vulnerabel sind. Deshalb unterstelle ich alle meine Handlungen meinem Auftrag. Als Person in verantwortlicher Stellung bin ich für die Festsetzung und Einhaltung der Grenzen zuständig. Ich kann diese Verantwortung nicht an die Klientinnen und Klienten abgeben, egal ob es Kinder, Jugendliche oder Erwachsene sind.
Rollenklarheit
Beispiel:
Ich trenne meine Rolle in der Kirche von meinem Privatleben und vermeide Vermischungen. Ich bin in dieser Rolle verantwortlich für die Einhaltung situationsgerechter Grenzen. Diese unterscheiden sich von meinen Grenzen im privaten Kontext. Meine Rolle und meine konkreten Aufgaben bestimmen die emotionale und körperliche Nähe zu den mir anvertrauten Kindern, Jugendlichen und vulnerablen Erwachsenen. Ich bin bereit, meine Handlungen verbindlichen Standards unterzuordnen.
Selbstreflexion und Feedback
Beispiele:
Ich bin bereit, meine Überlegungen zu und Handlungen in Risikosituationen gegenüber meinen Kolleginnen und Kollegen oder meinen Vorgesetzten transparent zu machen und Rechenschaft dafür abzulegen. Ich nehme mir Zeit, meine Rolle und meine Handlungen während Betreuungseinsätzen im Austausch mit Teamkolleginnen und -kollegen oder den Vorgesetzten zu analysieren. Ich gehe Unsicherheiten in Verbindung mit meiner Betreuungsarbeit aktiv an, um die Sicherheit und Transparenz in meiner Tätigkeit zu verbessern.
Zwischenmenschliche Beziehungen:
Beispiele:
Ich passe den Körperkontakt zu den mir anvertrauten Menschen meiner Rolle und ihrem Reifegrad an. Ich habe immer das Wohl und die Integrität der Kinder, der Jugendlichen und der vulnerablen Menschen, die ich begleite, im Blick. Ich bin jederzeit für die Beziehungsgestaltung verantwortlich und halte mich an das Grundprinzip: «So viel Körperkontakt wie nötig, so wenig wie möglich.»
Ich respektiere die sexuelle, körperliche, seelische und spirituelle Integrität der mir anvertrauten Menschen und vermeide jede Handlung, die diese verletzt. Ich bringe der Privat- und Intimsphäre der Menschen ein Maximum an Respekt entgegen. Das gilt auch für Handlungen, die im Rahmen meines Einsatzes eine besondere Nähe erfordern: Diese Handlungen begleite ich verbal, um damit meine Absichten klar und transparent zu kommunizieren.
Finanzen und Geschenke:
Beispielfragen, die man sich stellen sollte:
Dokumente Limita, «Risiko Management»